Sinn und Glaubwürdigkeit guter Public Relations

Hinweis: Eine aktualisierte Version dieses Beitrags findet sich im Buch „Glaubwürdig kommunizieren“ von Wolfgang Griepentrog.

Public Relations sind unverzichtbar. Gutes PR-Management ist das Rückgrat einer Gesellschaft, die auf den effizienten und vertrauensvollen Austausch von Botschaften, Informationen, Ansichten, Wertungen angewiesen ist. Ohne PR findet kein Unternehmen, keine Organisation Aufmerksamkeit und Gehör für die eigenen Anliegen. Und doch schafft es die PR-Branche nicht, ihren bedeutenden Wertbeitrag, den sie zur unternehmerischen und gesellschaftlichen Entwicklung leistet, im Bewusstsein von Unternehmen und Öffentlichkeit nachhaltig zu verankern. Woran liegt das? Ebenso wie das Marketing hat sich die Zunft der PR weiterentwickelt. Sie hat sich stets neuen Themen und neuen Kommunikationsmöglichkeiten geöffnet und auf die tief greifenden Veränderungen der global vernetzten Kommunikationsgesellschaft reagiert. Vor 20 Jahren, als ich die ersten beruflichen Schritte im Kommunikationsmanagement unternahm; sah PR jedenfalls ganz anders aus. Der Branche mangelt es weder an Professionalität noch an Talenten.

Und trotzdem: Das Image der PR-Profis ist ambivalent. Es reicht vom angesehenen Strategieberater bis zum Underdog des Unternehmensmanagements. Ein bisschen ergeht es uns wie Politikern – akzeptiert von den einen, gescholten von den anderen. Mal hoch professionell und strategiekompetent, mal operativ ausführend. Alles in allem hat es die PR-Branche bisher nicht vermocht, ihrer Bedeutung entsprechend wahrgenommen zu werden. „Schafft sich die PR selbst ab?“ heißt nun sogar das selbstkritische Thema einer Diskussion, die gerade in der Bloggergemeinde aufgekommen ist. Thomas Pleil, Mirko Lange und Dennis Sulzmann haben interessante Beiträge hierzu geschrieben.

PR braucht gute PR. Es liegt im eigenen Interesse, das Standing der PR in den Untenehmen und in der Öffentlichkeit nachhaltig zu verbessern. Wir müssen nicht nur gut kommunizieren, wie müssen auch den Wert gelungener Kommunikation und den Anspruch an vertrauensvolle Stakeholderbeziehungen gut vermitteln. Das ist schwer und andere Kommunikationsdisziplinen, etwa die Werbung, tun sich ebenfalls schwer damit. Das Standing der PR zu verbessern, ist aber nicht nur eine Frage des Images. Vielmehr geht es darum, die Handlungs- und Gestaltungsspielräume des PR-Managements zu erweitern. PR braucht ein besseres Standing, um ihre Wirkung voll entfalten zu können. Auch die Glaubwürdigkeit der PR hängt von ihrem Standing ab – und umgekehrt. Glaubwürdigkeit muss das Leitmotiv unsers Berufszweigs sein. Die Initiative des Glaubwürdigkeitsprinzips regt den substanziellen Austausch hierzu an und will so auch Anspruch und Wertbeitrag guter Kommunikation deutlich machen.
Wie nun?

Warum ist gute PR-Arbeit unverzichtbar?

PR-Manager sind Brücke und Mittler zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Auftrag ist „Beziehungsarbeit“ im umfassenden Sinne und reicht weit über die bloße Mittlerfunktion hinaus.… Weiterlesen

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Glaubwürdigkeit der politischen Eliten im Zwielicht: Deutung und Wertung in der Affäre Guttenberg spalten die Gesellschaft

Hinweis: Eine aktualisierte Version dieses Beitrags findet sich im Buch „Glaubwürdig kommunizieren“ von Wolfgang Griepentrog.

Deutschland ist in diesen Tagen eine gespaltene Gesellschaft: Für viele ist die Affäre Guttenberg Anlass, verstärkt über ethische und moralische Ansprüche in Politik und Gesellschaft nachzudenken. Was bedeutet es eigentlich, wenn Bürger Glaubwürdigkeit der politischen Eliten erwarten, und welche Konsequenzen kann oder muss es geben, wenn Glaubwürdigkeit durch Fehlverhalten verloren geht? Die Polarisierung zwischen Guttenberg-Kritikern, die sein Vergehen missbilligen, und politischen Anhängern, die es klein reden, ist groß. Unter den Missbilligern gibt es einen weiteren tiefen Graben zwischen jenen, die die Affäre für eigene Zwecke instrumentalisieren, und jenen, die aus echter Werteorientierung und gesundem ethischen Bewusstsein darauf beharren, dass Integrität und Anstand nicht kurzfristigem politischem Kalkül geopfert werden.

Natürlich ist niemand so naiv zu glauben, Politik würde luftleeren Raum gemacht. Natürlich ist der gesellschaftliche Diskurs über die Affäre Guttenberg, wie alles in unserer Gesellschaft, interessengesteuert. Das ist an sich nicht verwerflich. Schwierig wird es aber, wenn moralische Koordinaten verschoben oder umgedeutet werden, wenn politische Interessen Moral und Ethik eher aushöhlen als stärken. Wenn politischer Druck, etwa durch eine kritische Öffentlichkeit, Veränderungen bewirkt, ist das gut. Wenn aber politische Konsequenzen durch gezielte Interessensteuerung forciert oder behindert werden, ist das bedenklich. Dieses Verhalten beraubt Spitzenpolitiker ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion. Ob diese überhaupt berechtigt ist, darüber kann man nachdenken, aber wir reden ja in der Affäre Guttenberg nicht über unerreichbare Leitbilder, sondern über ethische Prinzipien, die täglich von jedem Bürger erwartet und eingefordert werden. Der Umgang mit der Affäre hinterlässt Irritation und das Ansehen Deutschlands gerät leicht ins Zwielicht: Hier die Tugendwächter, die von anderen Ländern Transparenz und Steuerehrlichkeit fordern, dort die „Tugendignoranten“, die im eigenen Haus gerne zwei Augen zudrücken. Nicht die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsministers steht zur Disposition – dass diese verloren ist, bezweifelt ja niemand –, sondern die Glaubwürdigkeit der politischen Eliten unseres Landes im Umgang mit der Affäre.

Motiv dieses Blogs sowie der Aktivitäten rund um das Glaubwürdigkeitsprinzip ist es, den Dialog über Glaubwürdigkeit als zentralen Erfolgsfaktor im öffentlichen Auftritt anzuregen. Das ist notwendig, weil die Glaubwürdigkeit Gefahr läuft, zur Floskel ohne substanziellen Anspruch zu werden oder zum politischen Kampfbegriff zu mutieren. Dabei ist das Glaubwürdigkeitsprinzip nicht mehr als ein Versuch und Appell zur Rückbesinnung auf das, was selbstverständlich Grundlage guter Kommunikation und guten Managements ist. Die Affäre Guttenberg zeigt indessen, wie schwierig der differenzierte und ausgewogene Umgang mit Anspruch und Realität speziell im politischen Alltag ist.… Weiterlesen

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Glaubwürdigkeitsfalle Social Media: Wie man professionell mit Kritik umgeht

Dennis Sulzmann, Kommunikationsberater

Dennis Sulzmann, Kommunikationsberater

Social Media haben das Kommunikations- und Marketingmanagement von Unternehmen grundlegend verändert. Kunden und Stakeholder werden in den Social Media aktiv, tauschen ihre Meinungen aus, üben Kritik. Dennis Sulzmann beleuchtet in seinem Gastbeitrag die Herausforderungen und gibt Anregungen für einen glaubwürdigen und professionellen Umgang mit Kritik . Der Autor ist Kommunikationsberater und betreibt den Blog Medientrainerblog.de.

Es ist nur menschlich. Auf Kritik reagieren wir alle vor den Kopf gestoßen, gekränkt, beleidigt, wütend. Wir streiten alles erst einmal ab oder weichen dem Kern der Kritik aus. Eine Vogel-Strauß-Taktik, die uns schützt. Vorerst. Wer sieht schon gerne die eigenen Leistungen, konditionierten Abläufe oder gelernten Überzeugungen in Frage gestellt? Die Ego-Falle schnappt besonders dann zu, wenn das Selbstvertrauen zu schwach oder der Narzissmus zu stark ist. In diese Kerbe schlagen die sozialen Netzwerke. Und zwar mit voller Wucht! Wohl dem, der seine Überzeugungen erfolgreich digitalisiert, Zuspruch und Anhänger findet, sich bestenfalls zur „Personal Brand“ stilisiert hat. Der Mensch strebt nach Anerkennung, die meisten Menschen zumindest. Hier können Social Media wie Balsam für die Seele wirken – für Privatmenschen genauso wie für eine Marke, die sich in Social Media aufgestellt hat und sehnlichst auf Zuspruch wartet. Die sozialen Netzwerke also als Ego-Shooter und virtuelle Kuscheldecke? Gut möglich.

Das ganze kann sich aber auch schnell ins Gegenteil verkehren. Viele Unternehmen erleben, wie es sich anfühlt, im digitalen „Freundeskreis“ kritisiert zu werden. Oder noch schlimmer: Wenn sich bei Facebook Gruppen gegen ein Unternehmen gründen, bei Twitter der Shitstorm losbricht oder YouTube mit spöttischen Videos aufgespritzt wird. Das passiert schneller, als mancher Kommunikationsverantwortliche denkt. Die sozialen Netzwerke bieten die Infrastruktur zum Meinungskampf, die Nutzer greifen zu. Oftmals mit bitterbösen und schlimmstenfalls nachhaltigen Konsequenzen für die Reputation eines Unternehmens. Kritik in Social Media verbreitet sich schnell. Verdammt schnell. „Was einmal im Netz steht…“ – Sie kennen den Spruch. Der Ruf eines Unternehmens wird zunehmend im Netz aus- und umgebildet – oder vielmehr: von den zufriedenen und unzufriedenen Kunden, Mitarbeitern, Partnern, die sich digital über Marken austauschen. Ob die Unternehmen das wollen oder nicht.

Angriff! Wie negative Kommentare entstehen

Eine Marke wird in den sozialen Netzwerken verschärft beobachtet. Kein Wunder: Sie ist den Nutzern näher als die klassische Werbung oder die unaufgeregte Verkaufsfläche im Supermarkt. Die Marke drängt sich stärker auf und dringt in einen privaten Bereich vor: in das Profil oder die Timeline der Nutzer, wenn diese das zulassen. Das Wort Privatsphäre gilt in Social Media nicht nur im Zusammenhang mit dem Datenschutz.… Weiterlesen

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Minister ohne Furcht und Adel: Wie sich zu Guttenberg um Kopf und Kragen redet

Niemand ist fehlerfrei. Manchmal liegen die Fehler schon eine Weile zurück. Je schärfer aber das öffentliche Profil (oder sollte man sagen: die Selbst-Inszenierung) als makelloser, erfolgreicher Leistungsträger, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann jemand diese Fehler aufdeckt und öffentlich macht. Reputation beinhaltet stets das Risiko des Reputationsverlustes – für Politiker ist es das Berufsrisiko schlechthin. Damit könnte man gut leben, wenn man sich auf Krisenfälle professionell vorbereitet und sich konsequent im öffentlichen Auftritt an den Grundsätzen des Glaubwürdigkeitsprinzips orientiert. Viele Politiker verlieren ihre Glaubwürdigkeit nicht über das eigentliche Fehlverhalten, sondern über ihren Umgang mit dieser Situation. Wenn es im Problemfall (scheinbar) die Wahl gibt zwischen einem leichten, aber ethisch nicht korrekten Lösungsweg und einem unbequemeren, dafür den eigenen Grundsätzen entsprechenden Weg, wählen viele die erste Möglichkeit. Auch Verteidigungsminister zu Guttenberg hat im aktuellen Fall der Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit ohne Not diesen Weg gewählt.

Was hat er falsch gemacht?

  1. Ehrlichkeit ist der wichtigste Faktor im Glaubwürdigkeitsprinzip. Menschen sind zwar Unehrlichkeit und Täuschung im Alltag gewöhnt, legen an politische und gesellschaftliche Leitbilder aber andere Kriterien an. Da die Mission eines Politikers wesentlich darin liegt, Zusammenhänge zu deuten, Orientierung zu stiften und Menschen für politische Ziele und Anliegen zu gewinnen, gehört Ehrlichkeit zu seinem Leistungsversprechen. Gefühlte Täuschung führt zu Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust. Insofern war die Vehemenz, mit der der Minister die Vorwürfe von sich wies und bagatellisierte, seiner Reputation abträglich. Seine Strategie, das Versäumnis umzudeuten als Lapsus im Fußnotenbereich, musste misslingen, denn dieses Argument ist in mehrfacher Hinsicht völlig unwesentlich. Der Verweis auf schwierige Rahmenbedingungen (Familie und umfangreiche politische Mandate) war ebenfalls nicht hilfreich. Für Doktorarbeiten und Promotionsverfahren gelten schließlich strenge Regeln, die allein die Doktorwürde begründen. Dabei hätte es für Guttenberg durchaus gute Möglichkeiten gebeben, die Krise frühzeitig zu begrenzen. Er hätte Verständnis und Betroffenheit signalisieren können. Er hätte aktiv darstellen können, welche Ziele und welchen Anspruch er mit seiner Doktorarbeit verband und welche Bedeutung die Einbindung fremder Quellen aus seiner Sicht hat. Das hätte für Verständnis und Klarheit gesorgt. In solcher Situation hilft nur Initiative und der ehrliche, offene Dialog. Der vermeidbare Hinweis auf die Bedeutung seiner aktuellen Aufgaben als Minister war vielleicht der größte Fehler und Täuschungsversuch. Das Ministeramt einerseits und der Respekt vor der universitären Würde und dem gesellschaftlichen Wert von Promotionsverfahren andererseits sind zwei völlig unterschiedliche, nicht in der Bedeutung aufrechenbare Angelegenheiten.
  2. Transparenz ist ein weiterer Aspekte des Glaubwürdigkeitsprinzips. Auch er hat wegen der Deutungshoheit, die Politiker für sich beanspruchen, eine große Bedeutung.
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Glaubwürdigkeit im Change: Wie Sie in Veränderungs- und Restrukturierungsprozessen Ihren Handlungsspielraum wahren

Hinweis: Eine neuere Version dieses Beitrags findet sich im Buch „Glaubwürdig kommunizieren“ von Wolfgang Griepentrog.

Die Welt ist im Wandel. Change- und Restrukturierungsprozesse gehören angesichts steter Globalisierung, verschärften Wettbewerbs und zunehmenden Kosten- und Profitabilitätsdrucks zum Alltag. Sie verlangen allen Beteiligten viel ab:

  • Das Management muss den Wandel gut erklären und begründen.
  • Mitarbeiter müssen Sinn und Anforderungen von Veränderungen verstehen. Sie müssen Flexibilität und Veränderungsbereitschaft beweisen.
  • Auch Kunden und andere externe Shareholder müssen veränderte Koordinaten des Unternehmens verstehen und mittragen.

Dabei kommt es naturgemäß zu gegenläufigen Interessen: die einen wollen am bisherigen Zustand festhalten, etwa weil ihr Arbeitsplatz davon abhängt, die anderen wollen einen noch schnelleren und umfassenderen Wandel. In schwierigen Unternehmenssituationen zeigt es sich, wie stark die Kultur des Unternehmens ist. Wie groß ist das Vertrauen von Mitarbeitern und Stakeholdern in die Unternehmensführung? Wird die Neuausrichtung akzeptiert und nachhaltig unterstützt? Schon viel ist in diesem Zusammenhang über den Wert guter interner Kommunikation gesprochen und geschrieben worden. Dass Veränderungsprozesse durch eine besonders intensive, sensible und vor allem glaubwürdige Kommunikation begleitet werden müssen, bezweifelt niemand. In der Realität bleibt die begleitende Kommunikation in Veränderungsprozessen indessen oft weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück und trägt nicht dazu bei, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu fördern. Der Beitrag skizziert, welche Faktoren zum Erfolg führen.

Betrachten wir ein Beispiel, das sich in vergleichbarer Form tagtäglich in Unternehmen abspielt

Der neue CEO eines internationalen Konzerns kündigt zu Beginn seiner Tätigkeit einen tiefgreifenden Restrukturierungskurs an. Aus Effizienzgründen sollen Unternehmensbereiche zusammengelegt werden. Einige Pläne und Szenarien sind vor seinem Antritt bereits durchgesickert und so kursieren unterschiedliche Einschätzungen über die Folgen der Restrukturierung für das Unternehmen insgesamt und für die Mitarbeiter im Besonderen. Aber nicht nur die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmensbereiche, auch Geschäftspartner, Öffentlichkeit und Kunden erwarten gespannt, die genauen Koordinaten des neuen Kurses zu erfahren. Sie wollen wissen, was die Neuausrichtung des Unternehmens konkret für ihre Arbeit bedeutet. Die Erwartungen – der Kommunikationsbedarf – sind hoch. Das Management hält sich jedoch mit Details bedeckt, weil es eine zu frühe Festlegung scheut und eine umfassende Diskussion im Unternehmen vermeiden möchte. In der Belegschaft machen sich Skepsis und Unruhe breit. Dazu tragen auch Botschaften bei, die positiv gemeint sind, aber eher irritieren, zum Beispiel: „Das Unternehmen muss Ballast abwerfen, effizienter werden und seine Profitabilität steigern. Es werde keine grundlegenden Änderungen geben, doch künftig würden Mitarbeiter strikt nach Leistung beurteilt.“ Weil der enge Dialog mit Mitarbeitern und anderen Stakeholdern sowie verbindliche Botschaften über die Ziele und den Nutzen der Restrukturierung ausbleiben, bröckelt deren Vertrauen.Weiterlesen

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Über Perfektionismus als Wert der Führungskultur

Hinweis: Eine neuere Version dieses Beitrags findet sich auch im Buch „Glaubwürdig kommunizieren“ von Wolfgang Griepentrog.

Gudrun Happich beleuchtet in ihrem sehr empfehlenswerten Leistungsträger-Blog Erfolgsfaktoren im Management. Dabei wird immer wieder deutlich, an welchen Werten und Grundsätzen sich exzellente Führung orientieren muss. Nun hat sie in ihrer aktuellen Blog-Parade zu einem gemeinsamen Blick auf die Führungskultur im Jahr 2020 aufgerufen. Hierzu möchte ich das Augenmerk auf einen scheinbar allgemein akzeptierten Wert lenken, der die Führungskultur in Unternehmen und Organisationen heute häufig prägt, der aber kritisch hinterfragt werden muss: Perfektionismus – oder: die mangelnde Fähigkeit zur Differenzierung zwischen „perfekt“ und „mehr als perfekt“.

Dass diese Differenzierung vielen Menschen im Alltag, sowohl im eigenen Anspruch als auch im Umgang mit anderen, schwer fällt, ist zweifellos Ursache zahlreicher zwischenmenschlicher Konflikte sowie eines zunehmend schwächeren gesellschaftlichen Zusammenhalts und damit ein Problem. Perfektionismus als Führungsprinzip ist darüber hinaus aber Zeichen mangelnden Verantwortungsbewusstseins.

Die Diskussion über Werte, Grundsätze, Verantwortung und Glaubwürdigkeit im Management ist schwierig. Ich selbst beteilige mich aktiv daran und beiße dabei (wie andere auch) mit eigentlich Selbstverständlichem und allgemein Akzeptiertem auf Granit. Anspruch und Realität, propagierte Haltungen und tatsächliches Verhalten, klaffen weit auseinander. Das macht die Auseinandersetzung mit den Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns und der Glaubwürdigkeit, die im Glaubwürdigkeitsprinzip (Buch und Manifest) ihren Niederschlag finden, so spannend – das macht es aber auch so schwer, das Phänomen des Perfektionismus zu greifen.

Führungskräfte wollen in der Regel nicht als perfektionistisch gelten. Aber liegt nicht insgeheim der weit verbreitete Anspruch genau darin, stets mehr zu erreichen als man kann und von anderen mehr zu fordern als möglich ist? Wird heute von Mitarbeitern und externen Dienstleistern (zum Beispiel Beratern oder Agenturen) nicht oft mehr erwartet als die 100 prozentige, saubere und kluge Umsetzung des Leistungsversprechens? Der maximale Vorteil für das Unternehmen, für den eigenen Bereich oder für die eigene Karriere ist das Ziel – es gilt, größtmöglichen Nutzen aus den vorhandenen Ressourcen zu schöpfen. Das ist eine Sonderform des „Schnäppchendenkens“ auf Verbraucherebene (bester Nutzen zum billigsten Preis), hat das gleiche Motiv und wird bisweilen mit der gleichen Maßlosigkeit verfolgt. Das Bild eines guten Managers und einer erfolgreichen Führungskraft ist doch sehr stark von Perfektionismus geprägt. Das gilt für die Erwartungen, die an Manager und Führungskräfte gestellt werden ebenso wie für den eigenen Anspruch, den diese an sich stellen. Sicher führen verschärfte Rahmenbedingungen zu einem hohen Druck auf Manager und Führungskräfte: etwa der wachsende globale und lokale Wettbewerb, der Druck zu verkaufen, Ressourcenknappheit, zunehmende Komplexität und extreme Gewinnorientierung.… Weiterlesen

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Professionalität oder Glaubwürdigkeit: Was ist wichtiger?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Strukturen und Zusammenhänge in der globalisierten Welt ständig komplexer und unüberschaubar werden. Das gilt für alle Bereiche, für die Wirtschaft ebenso wie für die Politik oder das gesellschaftliche Leben. Allerdings müssen jeden Tag erneut gute Lösungen gefunden werden, um den Konsequenzen dieser Entwicklung gerecht zu werden und für die eigenen Botschaften und Anliegen Aufmerksamkeit zu bekommen. Glaubwürdigkeit ist unter diesen Bedingungen der zentrale Erfolgsfaktor im Unternehmensauftritt.

Über ethische Grundsätze, die Vertrauen und Glaubwürdigkeit fördern, ist Einiges im Glaubwürdigkeitsprinzip geschrieben worden (siehe Buch und Blog). Was aber hat Professionalität mit Glaubwürdigkeit zu tun? Reicht es nicht, als Absender von Kommunikations- und Marketingbotschaften ehrlich und authentisch zu sein? Die Antwort heißt: „Nein, es genügt nicht.“ Im Gegenteil: Wer sich Grundsätze wie Ehrlichkeit, Mut, Authentizität oder Transparenz zu eigen macht, muss sich gegenüber denjenigen behaupten, die mit dem Verstoß gegen eben diese Grundsätze kurzfristige Vorteile erzielen. Das mag noch hinnehmbar sein vor dem Hintergrund einer langfristig ausgerichteten Unternehmensstrategie, aber die Realität ist anders. Das beweist schon die aus den Fugen geratene politische Streitkultur, in der täglich um den Punktsieg gerungen wird und wo der kurzfristige taktische Vorteil Wahlmanöver entscheiden kann. Aber auch CEOs und Kommunikationsmanager stehen unter Druck. So fordert eine kurzatmige Aktienkultur ständig (in kurzem Quartalsrhythmus) Rechenschaft über Wert- und Umsatzwachstum. Auch Vertriebschefs, Kundenberater oder auch Personalleiter werden an Zahlen und raschem Erfolg gemessen und weniger an der Qualität ihrer Stakeholderbeziehungen. Und doch ist allen klar, dass der Kampf um Wettbewerbsvorteile und gute Ergebnisse hohl wird, wenn er nicht auf Vertrauen und Glaubwürdigkeit fußt.

Wer an den Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns festhält, muss sich wehren und absichern. Das Mittel hierfür heißt Professionalität. Sie verhindert zum Beispiel, dass man von Interessen anderer und von spontanen Entwicklungen im Geschäftsumfeld getrieben wird. Strategische Kompetenz ist hier das Schlüsselwort. Die Fähigkeit zum strategischen Denken und Handeln ist nämlich eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man sein Geschäft im Griff hat, dass man den eigenen Handlungsspielraum erkennt und ihn optimal nutzt. Strategische Kompetenz bedeutet wirkungsorientiertes (und damit effizientes) Handeln. In einem Impulsbeitrag auf der Blogplattform „Unternehmershuttle“ habe ich dies kürzlich genauer beschrieben.

Professionalität hat viele Facetten. Sie umfasst auch die Fähigkeit, Werte und Grundsätze anderen zu vermitteln. Sie bedeutet, Kunden, Mitarbeiter, Stakeholder für die eigenen Anliegen zu begeistern. Menschen folgen gerne denjenigen, die eine klare Richtung vorgeben, die einen Weg aufzeigen in einer Welt der Multioptionalität und die als Vorbilder berechenbar sind.… Weiterlesen

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Bio auf dem Prüfstand: Müssen wir wirklich über Lebensmittel nachdenken?

Es gibt Reflexe und Gegenreflexe. In Zeiten prominenter Lebensmittelskandale kommt beides vor: Es treten diejenigen auf die Tagesordnung, die schon immer vor der „bösen Lebensmittelwirtschaft“ gewarnt haben (die professionellen Bedenkenträger, die mit ihren Bedenken gutes Geld verdienen), und diejenigen, die schon immer anders gelebt haben und ihren Weg nun bestätigt sehen und dies laut verkünden. Ein Beispiel ist ein Interviewbeitrag auf ZEIT Online unter der Überschrift „Bio-Eier an jeder Tankstelle“ Darin denkt der Buchautor Jonathan Safran Foer („Tiere essen“) über das Vegetariertum und die Fleischindustrie nach. Er beantwortet in diesem Interview Leserfragen und regt damit wiederum eine außerordentlich umfangreiche Diskussion auf ZEIT Online an. Da stellt sich in der Tat die Frage: „Müssen wir überhaupt darüber nachdenken?“ Diese Frage habe ich auf Facebook gefunden – und sie ist berechtigt. Aber auch klar zu beantworten:

Ja, wir müssen über unseren Umgang mit Lebensmitteln und über unseren Lebensstil insgesamt nachdenken! Was wir nämlich brauchen, ist „Normalität“. Normalität im Lebensstil, um Umgang mit dem, was wir haben und konsumieren und besonders auch die normale und ehrliche Einstellung zu Essen und Lebensmitteln. Der Wert unserer Lebensmittel ist in unserer Gesellschaft, die von Massenkonsum, selbstverständlicher Verfügbarkeit und Schnäppchenwut geprägt ist, abhanden gekommen. Nicht nur der Respekt vor Tieren, der Respekt vor der Umwelt und den notwendigen Ressourcen für unseren Lebensstandard, sondern auch der Respekt vor denjenigen, die an der Wertschöpfungskette unserer Lebensmittel beteiligt sind (Händler, Food-Hersteller usw.) muss wieder gestärkt werden. Wir brauchen allgemein wieder mehr Normalität in allen Lebensbereichen. Daher sind alle Engagements, Initiativen, Publikationen etc., die zu einem reflektierten Lebensstil animieren, wichtig! Siehe dazu auch den Blogbeitrag über den Wert unserer Lebensmitteln unter http://bit.ly/gr7nVN. Wenn der Aufhänger dafür ein Reflex oder Gegenreflex auf einen Lebensmittelskandal ist: gut so! Ob man dann – in weiterer Konsequenz – Vegetarier wird, oder weil man grundsätzlich gesundheitsbewusster leben will, seinen Fleischkonsum reduziert, steht auf einem anderen Blatt. Diese Frage muss jeder für sich beantworten.

Nicht das Bekenntnis oder die offensive Haltung als Vegetarier, sondern das Bekenntnis zu einem natürlichen, reflektierten Lebensstil ist das, worauf es ankommt. Glaubwürdig ist dies aber nur, wenn unser Nachdenken über den eigenen Lebens- und Konsumstil auch über den Horizont des jeweils aktuellen Foodskandals hinaus anhält. Glaubwürdig ist es zudem auch nur, wenn man einseitige und extreme Sichtweisen vermeidet und nicht von einem Extrem ins andere verfällt. Auch dieser Reflex ist nämlich häufig zu beobachten. Da werden dann begeisterte Fleischesser über Nacht zu „militanten“ Vegetariern.… Weiterlesen

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Glaubwürdigkeit als Karrierefaktor: Kommt man mit Ehrlichkeit weiter?

Wie wichtig sind Werteorientierung und Glaubwürdigkeit im beruflichen und im privaten Umgang als Aspekte bei der Personalauswahl? Wo liegen die Grenzen zwischen „vorteilhafter“ Präsentation und Übertreibung, wenn es um die berufliche Weiterentwicklung geht? Dass Souveränität, Professionalität oder Verantwortungsbewusstsein wichtige Kriterien bei personellen Empfehlungen und Entscheidungen sind, ist klar. Welche Rolle aber spielen Ehrlichkeit, Mut, Authentizität? Hat jemand, der sich am Vorbild des Ehrbaren Kaufmanns orientiert, bessere Chancen, Karriere zu machen als jemand, der diese Werte zugunsten anderer Interessen eher geringer gewichtet? Um es gleich zu sagen: Eine Antwort auf diese Frage habe ich nicht, schon weil Glaubwürdigkeit nur schwer am kurzfristigen Effekt gemessen werden kann. Es lohnt sich aber, darüber nachzudenken, denn in Zeiten globaler Unsicherheit und großer wirtschaftlicher Herausforderungen drehen die Personalkarussells schneller, Manager müssen öfter und intensiver um ihre Posten kämpfen – und jeder Managementwechsel ist eine Weichenstellung, für den Manager ebenso wie für Unternehmen.

Der Ausgangspunkt für diese Frage ist die lapidare Feststellung, dass es einerseits überall ausgeklügelte Programme zur Personalentwicklung und für Assessments gibt, diese aber andererseits nicht immer richtige personelle Entscheidungen oder Maßnahmen gewährleisten. Während die fachliche Kompetenz eher leicht zu prüfen ist, sind die sogenannten „soft skills“, zu denen auch Haltung und Werteeinstellungen gehören, eine Grauzone.

Bei den Arbeiten für das Buch „Das Glaubwürdigkeitsprinzip“ habe ich u.a. Personalberater gefragt, wie sie die Kriterien des Ehrbaren Kaufmanns bei der Besetzung von Managementposten berücksichtigen. Das Buch soll nämlich auch auf die Rolle derjenigen aufmerksam machen, die in Ihrer Funktion Kommunikation in Unternehmen, in politischen oder gesellschaftlichen Organisationen prägen, indem sie hierfür die Weichen im Hintergrund stellen, wie es Headhunter oder Personalverantwortliche tun. Ich habe nach Standards und Messsystemen für die Beurteilung der Werteorientierung von Kandidaten gefragt. Screening und Befragung führten zu dem Eindruck, dass bei Entscheidungen über Managementpositionen – und insbesondere bei der Empfehlung von Kommunikationsmanagern – der Anspruch und die Fähigkeit von Kandidaten zu werteorientiertem Management und glaubwürdigem Kommunizieren eher ein untergeordnetes Kriterium sind. Mögliche Folgen sind im Buch nur angedeutet: „Nicht selten zeigt es sich, dass die Glaubwürdigkeit von Unternehmen leidet, wenn neu eingestellten Managern eine erkennbare Werteorientierung fehlt und Kommunikation nicht reflektiert wird.“ Besonders wichtig ist diese Eigenschaft zum Beispiel bei Unternehmen in Krisen oder Restrukturierungen, wenn viel davon abhängt, dass mit glaubwürdiger, verantwortungsbewusster Kommunikation auf Managementebene Veränderungen durchgesetzt werden können. Aspekte des Glaubwürdigkeitsprinzips wie Ehrlichkeit, Transparenz, Mut etc., müssten übrigens verbindlich und konsequent auch in den Corporate Principles der Unternehmen, in den Codes of Conduct oder den Unternehmensphilosophien berücksichtigt werden.… Weiterlesen

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Glaubwürdigkeit und die Angst vor Kontrollverlust: Wie gehen Manager mit Social Media um?

Ein interessanter Beitrag von Michael Hengl im Blog des Harvard Business Managers befasst sich mit der „Angst der Manager vor Social Media“, zu lesen unter http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/artikel/a-738905.html. Die Nutzung von Social Media für die interne und externe Kommunikation ist in der Tat ein schwieriges Feld für Unternehmen und ihre Manager. Noch nie haben neue Kommunikationskanäle und –Tools so sehr das Selbstverständnis von Führungskräften berührt, wie dies bei Social Media zu beobachten ist. Aus meiner Erfahrung als Berater und Interimmanager, aber auch als PR-Chef eines internationalen Konzerns tun sich viele mittelständische Unternehmen wesentlich leichter im Umgang mit Social Media als die großen Konzerne.

Dabei berührt das Thema unmittelbar die Glaubwürdigkeit von Unternehmen und Managern. Interne und externe Kommunikationsprozesse, Informationsflüsse und Meinungsbildung zuzulassen und vernetzte Kommunikation zu stärken, ist in vielerlei Hinsicht glaubwürdigkeitsfördernd.

Zwei wesentliche Gründe sind ausschlaggebend dafür, dass die Potenziale von Social Media intern/extern noch nicht voll ausgeschöpft werden:
1. Die Infrastruktur. Social Media können nicht „nebenbei“ gepflegt werden. Auch unternehmensintern nicht. Interne Kommunikation leidet ohnehin oft darunter, dass Führungskräfte meinen, man könne sie „nebenbei“ betreiben! Viele Manager, selbst die in den Kommunikations- und Marketingabteilungen, sind organisatorisch noch nicht auf Social Media eingerichtet. Zum einen weil Social Media zum Beispiel andere Abstimmungs- und Planungsprozesse voraussetzen, Botschaften und Texte völlig anders formuliert werden als klassische Corporate Texte. Zum anderen weil es im Alltag von Managern eben doch nicht konsequent berücksichtigt wird, dass Führung und Management Kommunikationskompetenz voraussetzt. Wer als Manager aber die externe und interne Kommunikation nicht ernst nimmt, scheitert erst recht an den Social Media.
2. Das größere Problem ist die Angst vor Kontrollverlust. Mit dem Social Media Zeitalter ist es weitgehend vorbei mit der gewohnten Steuerung und Abstimmung von Kommunikations- und Informationsflüssen. Das stellt Führungskräfte, deren Effektivität sich ja grundsätzlich auch aus der guten Steuerung von Botschaften und Kommunikationsprozessen ableitet, vor große ungewohnte Herausforderungen. Dies gilt vor allem in einer Zeit globaler Unsicherheit und des Wandels, in der überall Restrukturierungsprozesse und Veränderungen an der Tagesordnung sind (und Führung durch gute Kommunikation besonders wichtig ist). Und die Angst, die Kontrolle über Entwicklungen im eigenen Bereich, die Kommunikationshoheit und damit die Autorität als Manager zu verlieren, ist berechtigt.

Thomas Voigt von der Otto Group, die für Ihren exzellenten Umgang mit den Neuen Medien bekannt ist, hat in dem Buch „Das Glaubwürdigkeitsprinzip“ (www.glaubwuerdigkeitsprinzip.de) dazu gesagt: „Die Grenzen zwischen der Innen- und Außenwelt eines Unternehmens werden durchlässig. Es ist das Ende jener Wagenburg, mit der Unternehmensführer … sich meinten, abschotten zu können.“ Oder noch deutlicher: „Offene Kommunikation sprengt Abteilungs-, Hierarchie- und Unternehmensgrenzen.“

Manager werden auch im Interesse von Effizienz und Glaubwürdigkeit lernen müssen, mit Social Media klug umzugehen.… Weiterlesen

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