Schlagwort: Journalismus

  • Agenda Setting und die Angst vor Kontrollverlust: lauter Missverständnisse

    Es geht ein Gespenst um in Europa: das Gespenst des Kontrollverlustes. Das Kommunikationsmetier ist von dieser Angst besonders befallen. Unternehmen und Organisationen haben damit ihre Schwierigkeiten (z.B. im Umgang mit den Social Media), aber auch Journalisten. Sie fürchten, ihre Themenhoheit, ihre Rolle und den Nimbus als Vermittler und Deuter und nicht zuletzt ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren – und darüber Kontrolle und Einfluss auf den öffentlichen Diskurs. Aus Sicht mancher Journalisten sind die Schuldigen ausgemacht: die PR. „Hilfe, die harten PR-Jungs nehmen uns die Themen weg!“ Aber wessen Sache ist es eigentlich, neue, spannende Themen aktiv auf die Agenda der Öffentlichkeit zu setzen? Ist das ausschließlich Sache der Journalisten? Müssen nicht vielmehr die Unternehmen dies heute leisten? Und wenn es ihnen gelingt, die Öffentlichkeit oder bestimmte Stakeholdergruppen für relevante Themen zu sensibilisieren, bedeutet das für die Medien dann automatisch einen Verlust der Themenhoheit und -kontrolle? Hier spielen viele Ängste und Missverständnisse zusammen und wenn Agenda Setting als Projektionsfläche für den gefühlten Kontrollverlust herhalten muss, ist das gefährlich.

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  • Wahrheitssuche zwischen „Verschlossener Auster“ und Atomlobbby: Warum sich die Kommunikationsbranche schwer tut, ihren Platz in der Gesellschaft glaubwürdig auszufüllen

    Vor wenigen Tagen hat das Netzwerk Recherche die großen deutschen Energiekonzerne und Kernkraftwerksbetreiber mit dem Kritikpreis „Verschlossene Auster“ ausgezeichnet. Gewöhnlich wird dieser Preis an „Kommunikationsverhinderer“ verliehen beziehungsweise an solche, die die Jury dafür hält. Diesmal wurde „falsche Kommunikation“ ausgezeichnet, eine Kommunikation, die in die Irre führe. Vielleicht ist der Zeitpunkt der Auszeichnung zu früh gewählt, vielleicht ist er auch genau richtig, denn gerade jetzt werden auf den Druck des öffentlichen Risikobewusstseins hin die Weichen für die Zukunft der Branche von der Politik neu gestellt. Dieser Prozess (der einer langfristigen Orientierung in der Energiepolitik) ist noch längst nicht abgeschlossen – politische Beschlüsse hin oder her. Vielleicht beginnt er jetzt überhaupt erst richtig. Und dabei geht es gar nicht nur um Energie, sondern auch um die Bedeutung öffentlicher Kommunikation, um Macht und Einfluss von Deutung in existenziellen gesellschaftlichen Themen. Und um Glaubwürdigkeit.

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