Wie Kollegennetzwerke in der PR entstehen und was das ausmacht

Gerhard Pfeffer zum 75. Geburtstag

In der PR und Unternehmenskommunikation geht es um den Aufbau und die Entwicklung tragfähiger Beziehungen. Kommunikation ist das Handwerk, Aufmerksamkeit und positive Meinungsbildung (im Unternehmensinteresse) sind das Ziel, gute Stakeholder Relations sind das Haus, an dem wir bauen und zu dem wir mit vielfältigen Aktivitäten beitragen. Und weil professionelle Kommunikation ein People Business und damit ein Beziehungsgeschäft ist, hängt viel davon ab, welche Managerprofile in der PR zum Einsatz kommen und wie PR-Manager ihr persönliches Kollegennetzwerk aufbauen. Oft entscheidet schon der erste Kontakt darüber, ob sich PR-Kollegen nur fachlich schätzen oder eine darüber hinausgehende persönliche Beziehung entsteht, die im Idealfall auch zu besonderen Akzenten in der Kommunikationsbranche führen kann.

Ein Beispiel hierfür mag mein erstes Zusammentreffen mit Gerhard Pfeffer sein, einem Netzwerker und Impulsgeber der PR, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. Es gehört zu den Ereignissen, an die ich mich gut erinnere, weil sie mit einer spezifischen Atmosphäre verbunden sind. Vielleicht sind PR-Manager für solche „atmosphärischen“ Erinnerungen besonders prädestiniert, weil sie sich ja schon von Berufs wegen mit Stimmungen und Gefühlslagen befassen. Als ich Gerhard Pfeffer zum ersten Mal traf, warteten wir Beide in Leipzig auf den Beginn einer Veranstaltung. Wir nutzten die verbleibende Zeit für einen Besuch der nahen Thomaskirche. Beim Austausch über die Verbindung von Musik und Kommunikation, inspiriert durch die Wirkungsstätte des berühmten Thomaskantors Johann Sebastian Bach, lernten wir rasch, welche Werte und Haltungen den Anderen jenseits der PR-fachlichen Expertise ausmachen, was ihn antreibt und welche Themen und Lebenserfahrungen uns verbinden. So erzählte ich ihm zum Beispiel, was Musik als Form der Kommunikation für mich bedeutet und wie sich das auf mein Selbstverständnis im PR-Beruf auswirkt. Umgekehrt erinnere ich mich, wie Gerhard Pfeffer offen und transparent beschrieb, was ihn umtreibt. Für mich war das, auch gemessen an vielen anderen Erstkontakterfahrungen in der PR, ein wunderbarer Anfang, der in einem freundschaftlichen Verhältnis mündete und der über Pfeffers PR-Journal auch zu dem einen oder anderen Impuls für die Kommunikationsbranche führte.

Wie entstehen persönliche Netzwerke in der PR?

Wie in anderen Berufen auch, lernen sich PR-Kollegen zunächst über den Arbeitsplatz kennen; es sind Arbeitskontakte auf Agentur- und Kundenseite. Mit den Stellenwechseln erweitert sich das Netzwerk. Hinzu kommen neue Kontakte über Kongresse, Seminare, Veranstaltungen oder auch die Mitarbeit in Verbänden. Ob es bei primär fachlichen Kontakten bleibt, hängt nicht nur von den jeweiligen Interessen ab (zum Beispiel wenn man den persönlichen Kontakt zu einem Kollegen nur deswegen pflegt, weil er eine einflussreiche Position hat und man sich davon Vorteile verspricht); wichtiger noch ist der persönliche Mehrwert über beruflich-fachliche Interessen hinaus. Dieser macht Kontakte in der Kommunikation attraktiv und wertvoll. Damit das gelingen kann, sind Offenheit und Transparenz eine Grundbedingung. Sich für andere berechenbar und transparent zu machen und die eigenen Haltungen und Interessen offenzulegen, ist ohnehin eine wichtige Tugend in der PR. Wer andere überzeugen will und Deutungsmuster anbietet, wird nämlich ohne den Mut zur persönlichen Transparenz keinen dauerhaften Erfolg haben. Beim Aufbau des eigenen Kollegennetzwerks zahlt sich diese Tugend aus, weil sie attraktiv macht. Aber selbstverständlich ist das in einer extrem konkurrenzorientierten Branche, in der Karriere- und Akquiseinteressen vorrangig sind, keineswegs.

Eigene Erfahrungen: Die Qualität des Kollegennetzwerks steigt mit der Neugier

Auch ich habe in den ersten Berufsjahren mein Netzwerk auf Basis des Kollegenkreises aufgebaut. Schon damals zeigte sich ein Unterschied zwischen Beziehungen, die rein fachlicher Natur waren, und solchen mit persönlichem Mehrwert. Aus manchen wurden Freundschaften. Trotzdem war die PR-Welt das vorrangige Thema und das Netzwerk funktionaler Natur. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, Berufliches und Privates stärker zu verbinden, selbst offener zu sein und mein Managerprofil transparent zu machen, andererseits stieg meine Neugier an den Charaktertypen und Persönlichkeiten hinter den PR-Kollegen. Das hat die Qualität meines eigenen Kontaktnetzwerks in der PR verändert und zu Freundschaften geführt, in denen gemeinsame Themen, Interessen und Haltungen wichtiger waren als fachliche Exzellenz, die aber trotzdem – oder gerade deswegen – zu neuen beruflichen Impulsen geführt haben.

Einige Beispiele verdeutlichen das:

Ein verbindender Faktor war und ist unter anderem eine Haltung, die versucht, persönliche und unternehmerische Interessen mit gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang zu bringen. Ich erlebe das z.B. im Austausch mit PR-Kollegen, die sich jenseits der Profession mit ganzer Leidenschaft für soziale, kirchliche oder sportpolitische Projekte engagieren und daraus letztlich auch besondere Anregungen für ihre PR-Arbeit gewinnen. Diese teilweise freundschaftlichen Beziehungen haben in mir ein stärkeres Engagement für eine glaubwürdige und mutige PR ausgelöst, die sich jenseits der Komfortzone beweist. Das beeinflusst bis heute auch meine berufliche Praxis.

So kann die Qualität des eigenen Netzwerks von PR-Kollegen auch zu beruflichen Weichenstellungen führen.

Gemeinsame Themenwelten und viele Diskussionen mit PR-Kollegen auf privater Ebene zu gesellschaftlichen Entwicklungen haben darüber hinaus mit zu meiner verstärkten Blog- und Publikationsaktivität beigetragen. Und mein persönliches Faible für Strategie- und Planungsthemen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, an dem viele Kollegen Interessen zeigten, haben letztlich zur Entwicklung des Kommunikations-Audits zusammen mit Manfred Piwinger („Due Diligence der Kommunikation“) geführt. Ausgangspunkt, Quelle oder Inspiration für all das sind interessante Menschen bzw. Managerprofile in meinem Netzwerk aus PR-Kollegen. Die finde ich durch Neugier, den Mut zur persönlichen Offenheit und Transparenz und eben besondere verbindende Themen und Interessen jenseits der PR-Profession.

Daraus möchte ich als Empfehlung für den PR-Nachwuchs ableiten:

  • Sinnstiftende und partnerschaftliche Kontaktnetzwerke in der PR entstehen, wenn interessante Managerprofile aufeinandertreffen und jenseits beruflicher Interessen einen persönlichen Draht entwickeln. Neugier und Transparenz sollten schon deswegen wichtige Tugenden in der Kommunikationsbranche sein.
  • Nicht allein PR-Kompetenz und Erfahrungen beeinflussen den Aufbau des eigenen Netzwerks, entscheidend ist vielmehr der spürbare persönliche Mehrwert, den man einbringt (durch eigene Erlebnisse, Geschichten, Haltungen etc.). Deswegen sollte man sich gerade beim Kennenlernen neuer PR-Kollegen auch ein Stück weit von fachlichen und beruflichen Interessen freimachen.
  • Die Qualität des Kollegennetzwerks in der PR zahlt sich aus und kann berufliche Weichenstellungen beeinflussen.

Die Kommunikationsbranche vollzieht parallel zu den gesellschaftlichen Entwicklungen gerade einen tiefgreifenden Wandel. PR-Exzellenz wird vorausgesetzt, aber erst die Fähigkeit, Kulturen zu entwickeln, Veränderungen zu begleiten und neue Spielräume für das Management und die Kommunikation zu erschließen, machen die PR erfolgreich. Kommunikationsmanager sind als Brückenbauer, Befähiger, Impulsgeber und nicht zuletzt als gute Netzwerker gefragt. Dazu braucht es interessante Managerprofile und Inspiration im eigenen Netzwerk.

Menschen wie Gerhard Pfeffer mit Ecken und Kanten, mit Leidenschaft für die PR und große Offenheit für Themen jenseits der PR, sind in diesem Sinne Vorbilder. Meine Geburtstagsgrüße möchte ich daher nicht nur als Zeichen der Wertschätzung sehen, sondern als Anregung für alle.

 

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